Facebook lohnt nicht – eine Bestandsaufnahme

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Produkte der Firma Facebook verwenden wir gerne als Beispiel – leider nicht im positiven Sinn. Egal, ob es um das soziale Netzwerk selbst, die Facebook-App, den Messenger oder WhatsApp geht: Beim Datenschutz sieht es schlecht aus. Und selbst ohne diese Probleme ist das soziale Netzwerk nicht zu empfehlen. Eine Bestandsaufnahme.

Für die unter euch, die sich einfach nicht von Facebook trennen wollen, haben wir schon einige Methoden aufgezeigt, wie ihr euch – zumindest ein wenig – vor dem Datenhunger des Netzwerks schützen könnt. Für mobile Geräte haben wir euch beispielsweise empfohlen, statt der Facebook-App den Browser zu verwenden. Bestätigt sehen wir das jetzt erneut durch einen Beitrag auf dem Kuketz-Blog, in dem Gastautor Daniel Struck ein in diesem Ausmaß nicht bekanntes Problem aufzeigt, nämlich dass Apps unter Android grundsätzlich vollen Zugriff auf eure Metadaten haben.

Wie aussagekräftig Metadaten sind, sollte jedem spätestens seit 2014 durch die Aussage von Ex-NSA-Chef Michael Hayden bekannt sein: “We kill people based on metadata” (Sinngemäße Übersetzung: Wir töten Menschen basierend auf [Informationen aus] Metadaten)
Auch wenn uns in Europa wahrscheinlich kein Drohnenschlag droht, zeigt diese Aussage auf erschreckende Weise, wie aus vermeintlich unwichtigen Metadaten Rückschlüsse gezogen werden und welches enorme Gewicht diese haben. Dazu auch nochmal die Empfehlung der Tracking-Dokumentation “Do Not Track”.

Die Empfehlung aus dem Kuketz-Artikel deckt sich grundsätzlich mit unserer Auffassung:

Anwender sollten nach Möglichkeit quelloffene Apps benutzen, die man unter anderem aus F-Droid beziehen kann. Bei quelloffenen Apps besteht zumindest die Möglichkeit, den Quelltext zu prüfen und in Erfahrung zu bringen, welche Daten erfasst und weitergeleitet werden.

Wer bspw. unbedingt soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nutzen möchte, der sollte auf die Verwendung der proprietären Apps verzichten und über den mobilen Browser auf die Plattformen zugreifen.

Aber wollt ihr nun Facebook ausschließlich über den Browser nutzen, ergeben sich neue Probleme, wie mobilsicher.de vor kurzem berichtete.

Wer die Facebook-Apps nicht installieren möchte, hat eine einfache Alternative: Er oder sie kann die Plattform im mobilen Browser nutzen. Dort ist die Funktionsfähigkeit allerdings eingeschränkt. So ist es umständlicher, Inhalte zu veröffentlichen – statt einfach ein Bild aus der Kamera-App zu teilen, muss man es im Browser-Interface auf Facebook separat hochladen. Auch fehlen Funktionen wie Fotofilter oder Videokonferenzen, die in die originalen Facebook-Apps integriert sind.

Beließ es der Konzern zunächst dabei, den eigenen Nutzern und Nutzerinnen immer wieder die Installation der eigenen Apps zu empfehlen, ist der Konzern inzwischen dazu übergegangen, Funktionen aus der Browser-Version zu entfernen. Seit Juni 2015 können Android-Nutzer den Chat-Dienst Facebook-Messenger nicht mehr im mobilen Browser aufrufen.

Das ist aber nicht die einzige Methode die Kunden zu beeinflussen.

Zwar existiert das entsprechende Symbol noch – doch wer darauf klickt, wird direkt zum Google-Play-Store umgeleitet, um den Facebook-Messenger zu installieren. Ab und an wird sogar ein Hinweis auf eine neue private Nachricht angezeigt – die sich dann als Werbung für den Facebook Messenger entpuppt. Unter iOS kann man zwar im Browser noch Nachrichten verfassen, Facebook hat aber angekündigt, die Funktion auch hier bald abzustellen.

Der Hinweis auf eine private Nachricht spamt nebenbei euren E-Mail-Posteingang zu, bis ihr wieder bei Facebook vorbeischaut.

Wir vermuten, dass Facebook absichtlich versucht, seine Nutzer auf die App zu zwingen, weil sie dort mehr private Daten abgreifen können, als es durch den Browser möglich ist. Wer Facebooks-Apps nutzt, muss damit rechnen, Facebook seine gesamten Verkehrsdaten  preiszugeben.

Doch Facebooks Nutzer scheinen dem blauen Riesen weiterhin treu zu bleiben, obwohl es nicht “nur” um ihre Privatsphäre geht. Selbst das Hauptargument – das In-Verbindung-bleiben – wackelt gewaltig. Der Blogger Salim Virani hat dazu ein ausführliches Statement verfasst: “Get your loved ones off Facebook.” (Sinngemäße Übersetzung: Holt eure Lieben weg von Facebook.)

Er erklärt dabei wie falsch die Annahme ist, Facebook sei der einzige Weg, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, und dass der Algorithmus der Website zudem verhindert, dass einige eurer Beiträge von euren Freunden gesehen werden.

In reality, lots of your posts are never seen by anyone! And you miss out on their stuff too. Even if your friends’ stuff gets to you fine, it doesn’t mean your stuff gets to them.

Sinngemäße Übersetzung:
Viele deiner Beiträge werden in Wahrheit von niemandem gesehen! Und du verpasst auch viele Beiträge deiner Freunde. Selbst wenn ihre Beiträge bei dir ankommen, bedeutet das nicht, dass deine Beiträge bei ihnen ankommen.

Nach welchen Kriterien genau gefiltert wird, ist weiter unklar, da der Algorithmus geheim gehalten wird. Die Vermutung liegt nahe, dass zumindest für Facebook schädliche Beiträge gefiltert werden.

Salim Virani stellte selbst Probleme beim Nachrichtenversand fest. Hier ist das Problem die soziale Komponente.

Private messages suck too. How many Facebook messages do you send with no reply? How many Facebook messages do you think you forget to get back to, or miss altogether? Is that how you want to treat your friends?

Sinngemäße Übersetzung:
Auch private Nachrichten nerven. Wie viele Facebook-Nachrichten sendest du, ohne eine Antwort zu erhalten? Wie viele Nachrichten hast du selbst vergessen zu beantworten oder komplett verpasst? Willst du deine Freunde so behandeln?

Das daraus resultierende Fazit ist nicht verwunderlich.

Facebook a really unreliable way to stay in touch.

Sinngemäße Übersetzung:
Facebook [ist] eine wirklich unzuverlässige Art, in Kontakt zu bleiben.

Im Weiteren wird das Konzept des Netzwerks aus mehren Blickwinkeln beleuchtet — auch aus Sicht des Datenschutzes — und regelrecht zerlegt. Dabei hat Salim natürlich auf Transparenz geachtet und seine Behauptungen mit Links zu den entsprechenden Quellen belegt. Falls euch unser zusammenfassender Artikel noch nicht überzeugt hat, solltet ihr daher Salims Blog einen Besuch abstatten und seinen Beitrag dazu lesen.

Mit alle diesen Aspekten im Blick muss unsere Empfehlung drastischer als bisher ausfallen: Finger weg von Diensten aus dem Hause Facebook.

– Eure Datenschutzhelden

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